Familie Dasyproctidae

Der Aguti (Gattung Dasyprocta)

Mit etwas Fantasie kann man den Agutis ihre Verwandtschaft ansehen: Die Nager sind Vettern der allbekannten Meerschweinchen. Allerdings sind sie größer, hochbeiniger und schlanker. Man unterscheidet mehrere Arten, die sich in der Größe und im Körperbau sehr ähneln, aber unterschiedliche Fellfarben haben. Die bekanntesten sind das Mittelamerikanische Aguti (Dasyprocta punctata), das Mohrenaguti (Dasyprocta fuliginosa) und das Goldaguti (Dasyprocta leporina). Agutis werden bis zu 50 cm lang und etwa 3,5 kg schwer. Ihr Körperbau weist eine Besonderheit auf; während der Vorderkörper sehr schlank ist, ist der Hinterkörper der Agutis viel kräftiger, Agutis sind so zu sagen "hinten überbaut". Man nennt einen solchen Körperbau auch "Buschschlüpfertyp". Er ist eine Anpassung an das Leben im Unterholz und verrät Agutis als Waldbewohner. Viele kleinere Säugetiere des Waldes haben einen entsprechenden Körperbau. So sind auch viele kleinere waldbewohnende Huftiere, wie zum Beispiel Ducker (Cephalophinae) und Hirschferkel (Tragulidae), nach solch einem Typus gebaut.

Agutis bewohnen die Wälder Mittel- und Südamerikas, wo sie paarweise in festen Territorien leben. Sie sind eigentlich tagaktiv - in Gegenden, in denen sie bejagt werden, weichen sie aber auf die Nacht aus. Wenn besonders viele Früchte reif sind, werden die Jungtiere geboren. Meistens sind es zwei, von denen häufig aber nur eines überlebt. Wie es bei Meerschweinchen und deren Verwandtschaft üblich ist, sind neugeborene Agutis Nestflüchter, die schon bei der Geburt beharrt sind, hören und sehen können, und von Anfang an herumlaufen. Da junge Agutis zahlreiche Feinde haben, leben sie sehr versteckt. Ihre Mutter bringt sie in selbstgegrabenen Erdhöhlen unter, die in etwa der Größe des Jungtieres entsprechen. Wird die Höhle dem heranwachsenden Aguti zu klein, sorgt die Mutter für eine neue, größere Unterkunft, indem sie einfach eine weitere Erdhöhle gräbt. Bald beginnen auch die jungen Agutis selbst zu graben und Höhlen anzulegen. Mit etwa einem halben Jahr werden Agutis geschlechtsreif. Jetzt werden die Eltern zunehmend unduldsamer gegenüber ihren Kindern. Vor allem die erwachsenen Männchen beginnen, ihre Söhne zu vertreiben, die dann ein eigenes Revier und ein Weibchen finden müssen.

Die Lieblingsnahrung der Agutis sind Früchte. Sie durchwandern ständig ihr Revier auf der Suche nach ihnen. Agutis scheinen zu wissen, welche Bäume gerade Früchte tragen und kontrollieren vor allem diese. Sie haben einen sehr gut entwickelten Gehörsinn und können die Fallgeräusche der reifen Früchte auch aus der Distanz wahrnehmen. Agutis nehmen Früchte zwischen die Vorderpfoten und nagen die Schalen auf, während sie sie immer wieder herumdrehen. Eine ganz besondere Frucht, die auf ihrem Speisezettel steht, ist die Paranuss, die neben Agutis ja auch wir Menschen durchaus zu schätzen wissen. Die Paranüsse, wie wir sie kennen, befinden sich zunächst - oft bis zu 20 Stück - in einer weiteren Hülle, der so genannten Cocos. Diese ist außergewöhnlich hart und holzig. Agutis scheinen die einzigen Tiere zu sein, die diese Schale knacken, beziehungsweise aufnagen können. Diejenigen Paranüsse, die nicht gleich verzehrt werden können, werden von den Agutis vergraben. Sie vergraben die Samen einzeln, verstreut über einen weiten Bereich. Ihre Orientierungsfähigkeit, die es ihnen ermöglicht, die Nüsse später wiederzufinden, ist erstaunlich; aber auch dem gewissenhaftesten Aguti kann hierbei schon mal ein Versteck entgehen. Die vergessene Paranuss kann sich dann mit sehr viel Glück zu einem bis zu 60 Meter hohen und 500 Jahre alt werdenden Urwaldriesen entwickeln. Paranussbäume sind nur vereinzelt zu finden und lassen sich nicht auf Plantagen kultivieren. Die Paranuss ist daher wirklich eine Frucht des Urwaldes und entscheidend daran beteiligt, dass sie auch in unseren Supermärkten zu kaufen ist, ist ein eher unscheinbares Nagetier aus der Meerschweinchenverwandtschaft - das Aguti.

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Familie Dolichotinae

Gattung Dolichotis

Der Mara oder Pampashase (Dolichotis patagonum)

Auch er gehört zu den Meerschweinchenartigen Nagern. Man unterscheidet den großen Mara, der in der Steppe lebt und den Zwergmara aus der Salzwüste.

Herkunft

Wie der Name schon sagt, kommt er aus den Grassteppen Südamerikas, der Pampas.

Aussehen

Sie ähneln dem Aussehen nach eigentlich mehr einem Hasen als einem Meerschweinchen. Ihre Färbung ist graubraun und sie haben zum schnellen Flüchten die charakteristisch langen Hinterbeine eines Hasens. Nur die Ohren sind nicht ganz so lang. Große Maras werden bis zu 75cm lang und 9 kg schwer. Sie erreichen ein Alter von maximal 15 Jahren. Wie Meerschweinchen auch, haben sie an den Vorderfüßen 4 und an den Hinterfüßen 3 Zehen

Lebensweise

Maras sind takaktiv. Nachts verstecken sie sich in selbstgegrabenen Höhlen unter der Erde.

Sie leben im Rudel.

Durch ihre langen Beine können sie bei Gefahr sehr schnell flüchten. Wenn sie dabei dann noch einige große “Sätze” einbauen, sehen sie fast wie ein galoppierendes Huftier aus.

Ernährung

Sie sind Pflanzenfresser. Ihre Hauptnahrung besteht demnach aus Gräsern, Samen un Blättern.

Fortpflanzung

Sowohl große- als auch Zwergmaras bekommen ein Wurf pro Jahr. Das Große Mara trägt 90- 93 Tage, wonach es ein bis drei, selten fünf, Junge zur Welt bringt.

Das Zwergmara trägt ca.77 Tage und bekommt ein, selten zwei Junge.

Die Jungtiere werden von beiden Elternteilen im Bau großgezogen und verlassen den Bau mit elf Wochen.

Hier sehen die Maras tatsächlich eher wie Antilopen aus...

 

 

 

 

Die Fotos der Maras kommen aus dem Erlebnis- Zoo Hannover. Vielen Dank!

 

Familie Hydrochoeridae (Riesennager)

Wasserschwein (Hydrochoerus hydrochaeris)

      

Das Wasserschwein ist das größte Nagetier der Welt. Es wird auch Capybara genannt, was so viel wie “Herr der Grases” bedeutet.

Herkunft

Ihr Lebensraum sind die tropischen Regenwälder in Südamerika. Dort leben sie in der Nähe von Seen und Flüssen.

Aussehen

Wasserschweine haben durch ihren gedrungenen Körperbau eine gewisse Ähnlichkeit mit Meerschweinchen, sind aber viel größer als diese. Sie werden bis zu 1,30 m lang, 50 cm hoch und haben ein Gewicht um 50 Kg. Außerdem besitzen sie Schwimmhäute zwischen den Zehen.

Lebensweise

Ebenso wie Meerschweinchen sind sie Herdentiere und haben dadurch einen sehr umfangreichen “Wortschatz”. Sie bilden kleine Herden von bis zu 30 Tieren und sind ausgezeichnete Schwimmer. Bei Gefahr flüchten sie sofort ins Wasser. Sie werden bis zu 12 Jahre alt.

Ernährung

Ihre Nahrung besteht aus Wasserpflanzen, Gräsern, Kräutern und der Rinde junger Bäume.

Fortpflanzung

Hier besteht ein deutlicher Unterschied zu anderen Nagetieren. Sie können nämlich nur einmal im Jahr Nachwuchs bekommen. Das Weibchen trägt ca. 4 Monate und bekommt bis zu vier Junge.

 

Die Bilder hat mir Eva Hejda zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! (Die Bilder sind mit ihrer Homepage verlinkt.)